(M)eine halbe Panchakarma-Kur in Sri Lanka

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Willkommen in Sri Lanka. Willkommen zur Panchakarma Kur!

In diesem Blogartikel berichte ich euch von meiner aller ersten ayurvedischen Panchakarma Kur, welche ich gemeinsam mit meinem Freund Anfang 2020 in Sri Lanka besucht habe. Unverblümt, ehrlich und direkt – so wie ihr es von mir gewohnt seid ;)

ANKUNFT

Wir landen Morgens 9:30 Uhr Ortszeit am Flughafen von Colombo, Sri Lankas Hauptstadt. Zerknautscht und unausgeschlafen betreten wir die Eingangshalle des Flughafens und werden kurzerhand mit Namenschildchen und Blumenkette in Empfang genommen. Das mit den Kettchen war irgendwie noch nie mein Ding, aber es gehört einfach dazu ;)



Die Tatsache hingegen, dass der komplette Transfer zum Hotel bereits vom Reiseveranstalter „Neue Wege Reisen“ organisiert wurde und wir uns um nichts weiter kümmern müssen, ist äußerst entlastend. Normalerweise reisen wir nämlich immer auf eigene Faust und dann muss man an dieser Stelle ordentlich Acht geben, dass einem nicht plötzlich die Koffer aus der Hand gerissen werden und man in einem überteuerten Taxi landet. Hatten wir schon alles ;)

„Neue Wege“ hat übrigens auch alle Flüge gebucht und uns vorab reichlich Info-Material zu Sri Lanka, Ayurveda und zum Hotel zukommen lassen. So konnten wir die Reise tatsächlich etwas entspannter antreten, als es sonst der Fall ist ;)

Der Transfer zu unserem Ayurveda-Hotel dauert nochmal gut 3,5h mit dem Auto. Als Proviant werden uns Wasser, Anasasscheiben und Minibananen gereicht. Ich schlafe die gesamte Strecke und mein Freund darf als Kissen herhalten :-)


DAS HOTEL

Der erste Teil unserer Panchakarma Kur findet im Ayurvie Sigiriya statt. Dieses kleine Paradies auf Erden liegt im zentralen Sri Lanka und wurde tatsächlich erst Anfang des Jahres eröffnet. Mit 10 Zimmern bzw. Bungalows ist es ein eher kleines Ayurveda-Resort. Tolle Sache, wenn ihr mich fragt, denn dadurch herrscht eine sehr persönliche und exklusive Atmosphäre.

Nichtsdestotrotz kann man das angrenzende und wesentliche größere Aliya Resort mitbenutzen und dort z.B. in den Genuss des 20m langen Pools mit Blick auf den Sigiriya-Felsen kommen. Dieser Ausblick ist definitiv einmalig.


Das Ayurvie Sigiriya legt wahnsinnig viel Wert auf Nachhaltigkeit und möchte neue Maßstäbe für den nachhaltigen Tourismus in Sri Lanka setzen. Die Bungalows wurden zum Beispiel auf traditionelle Lehmbauweise gebaut, was für ein dauerhaft kühles Raumklima sorgt. Das gesamte Retreat ist darüberhinaus frei von Einwegkunststoffen und verwendet nur umweltfreundliche Materialien.


Mein absolutes Highlight war neben der wirklich wunderwunderschönen Yogashala der hauseigene Gemüse-und Kräutergarten! Ich bin aus dem Staunen nicht mehr raus gekommen, denn hier wird wirklich alles angebaut, was man sich nur vorstellen kann! Bohnen, Salate, Chillis, Papayas, Kartoffeln, Kürbis, Zucchini, Kurkuma, Melonen, zahlreiche Kräuter, und noch so viel mehr!

Noch frischer geht’s nicht und die täglichen Mahlzeiten waren jeden Tag aufs neue eine reine Geschmacksexplosion!


ALLTAG

Zu Beginn jeder Panchakarma Kur wird man vom ayurvedischen Arzt ausgiebig auf die drei Konstitutionstypen Vata, Kapha und Pita untersucht. Diese drei Doshas und das allgemeine körperliche und seelische Befinden entscheiden darüber, wie die Behandlung für die kommenden Tage aussehen wird.


An Tag 1 bestimmt unsere Ayurveda-Ärztin Dr. Surandi Dissanayake anhand einer Pulsdiagnose, sowie einem sehr umfangreichen Fragebogen also zunächst unseren Konstitutionstyp. Daraufhin bekommen wir beide einen maßgeschneiderte Behandlungsplan mit unterschiedlichen Massagen, Dampfbädern, Kräuterbädern, Stirngüssen usw..  Selbst die Mahlzeiten werden von unserer Ärztin jeden Tag genauestens vorgegeben :)

Normalerweise bekommt man nach der ersten Konsultation noch pflanzlichen Medikamente zugeteilt, die man die gesamte Kur und darüber hinaus zu sich nehmen soll. Wir haben uns jedoch beide gegen diese Einnahme entschieden, da wir einige Berichte zu deutlich erhöhten Schwermetallwerten in ayurvedischen Medikamenten gelesen hatten.

Am Ende muss das natürlich immer jeder für sich entscheiden. Ich würde euch nur empfehlen einfach ganz grundsätzlich genau hinzuschauen was ihr zu euch nehmt, undzwar nicht nur wenn es um Medikamente geht.


Der Ablauf der einzelnen Tage ist dann in Grunde genommen recht ähnlich. Feste Essens- und Behandlungszeiten geben einen groben Rahmen vor, die Zeit dazwischen steht frei zur Verfügung.

Ich habe für euch hier einfach mal einen exemplarischen Tag grob zusammengefasst:

TAG 3

5:30 – Wecker klingelt
6:00 – Yoga & Meditation
7:00 – Frühstück & Ghee
8:00 – Freizeit
10:00 – Treatment (Ganzkörpermassage)
13:00 – Lunch
14:00  – Rundführung durch den Kräutergarten
15:00 – Fußmassage 90 Minuten
16:30 – Freizeit
18:30 – Dinner
20:30 – Schlafenszeit 


Wie ihr sehen könnt, es geht schon zeitig los. Ausschlafen ist nicht ;-P Aber das ist auch gar nicht schlimm, denn zur Belohnung gibt es Yoga pünktlich zum Sonnenaufgang! Und das ist sooooo unglaublich schön!!!



ABLAUF EINER PANCHAKARMA KUR

Man sagt, die Panchakarma-Kur sei das Herzstück der Ayurveda Medizin. Panchakarma bedeutet dabei wortwörtlich übersetzt „die fünf Handlungen“ und meint damit fünf verschiedene Ausleitungungsverfahren.

Welche Verfahren das genau sind und warum eine Panchakarma-Kur kein Wellness-Urlaub ist,  erzähle ich euch jetzt:

1. Die Vorbehandlung (Purvakarma)

In dieser Phase sollen Toxine und Schlacken im Körper aktiviert werden, denn diese sind nach Ayurveda-Lehre die Ursache vieler Erkrankungen und Beschwerden. Diese Aktivierung erfolgt sowohl innerlich als auch äußerlich. Zur innerlichen Anwendung  bekommt man dafür für mehrere Tage Ghee (geklärte Butter) verabreicht.
In unserem Fall waren es 3 Tage am Stück mit etwa 10-20ml. Ich fand es geschmacklich übrigens ganz schrecklich und hatte wirklich Probleme den Ghee-Shot zu trinken. Mein Freund hingegen hätte problemlos noch einen Zweiten zu sich nehmen können ;-)


Zur äußeren Anwendung zählen dann Ölmassagen und Dampfbäder. Dadurch wird die Durchblutung im Körper gefördert und der Stoffwechsel angeregt.

Die Behandlungszeit beläuft sich dabei jeden Tag auf gut 2,5 – 3h. Alle Massagen im Ayurvie Sigiriya sind wirklich große Klasse uns unsere Therapeuten machen einen fabelhaften Job! Vor allem die Fußmassage mit einem kleinen Holzgriffel hat es uns angetan.

Fun Fact: Es gibt keine Massage bei der ich nicht eingeschlafen bin ^^ 
Selbst sitzend auf dem Stuhl 😅🙈 ;)



2. Die Hauptbehandlung (Pradhanakarma)

In dieser Phase sollen sollen die Giftstoffe, die wir in der ersten Phase freigesetzt haben, aus dem Körper eliminiert werden. Das Verdauungssystem soll demnach gereinigt und die Doshas wieder in Balance gebracht werden.

Dafür gibt es 5 verschieden Ausleitungsverfahren ( die 5 Karmas):

  • Vamana
    Das therpeutische Erbrechen
  • Virecana
    Das therapeutische Abführen
  • Basti/Vasti
    Ayurvedische Darmeinläufe
  • Nasya
    Verabreichung von Kräuterpräparaten und medizinierten Ölen durch die Nase
  • Raktamoksana
    Aderlass oder Blutegeltherapie


Welche Verfahren Anwendung finden, ist natürlich immer abhängig von der individuellen Diagnose und Konstitution. In den meisten Fällen bleibt es beim Abführen (Virecana) und den Einläufen (Vasti). So auch bei uns, wobei mein Freund sich noch einer Nasya-Therapie unterziehen durfte ;)


Soviel zur Theorie, aber wie sieht das ganze nun in der Praxis aus…

Der Große Abführ-Tag ist bei uns an Tag 5 der Panchakarma Kur. Die Yogastunde am Morgen findet nicht statt und auch Frühstück gibt es heute nicht. Stattdessen bekommen wir pünktlich 7:30 Uhr zwei Kräutertabletten, sowie einen dickflüssigen Kräuter-Cocktail ausgehändigt. Während ich mich mal wieder quäle alles runterzuschlucken, ist mein Freund schon seit 10 Minuten fertig ;) Aber hey, alles mit der Ruhe!

Wir sollen nun eine gute halbe Stunde spazieren gehen und dann den Rest des Tages auf dem Zimmer verbringen. Nach ungefähr einer Stunde fängt die Tablette bereits an Wirkung zu zeigen, der Magen fängt an zu grummeln und der Toiletten-Marathon beginnt…

Durch verschieden Fastenkuren bin ich mit dem Abführen eigentlich recht vertraut – dachte ich ^^ Diese Tablette hat mich aber wirklich umgehauen und ich hatte mit extremen Bauchkrämpfen, Schwindel und Hitzewallungen zu kämpfen.

Und sorry, dass ich jetzt so aushole, aber falls ihr denkt mit nur einem Klogang hat sich die Sache erledigt  – Pustekuchen – Schön wärs! ;-) Dieses Spielchen zieht sich über mehrere Stunden!! Das macht definitiv keinen Spaß, tut weh und ist alles andere als angenehm! Von Wellness nichts zu sehen ;)


Falls ihr in Erwägung zieht, so eine Kur mit eurem Partner/ eurer Partnerin zu machen, solltet ihr euch dessen aufjedenfall bewusst sein. Mir ist das ehrlich gesagt wurscht, wir sind seit 12 Jahren zusammen ;-) Aber ich habe auch mit einem Paar gesprochen, welches nur wegen dem Abführen ein zweites Zimmer gebucht hat.

Wie immer muss das am Ende natürlich jeder selbst wissen. Mir war es nur wirklich wichtig diesen wesentlichen Teil der Kur nicht umkommentiert zu lassen.

Und klar, auch hier ist das persönliche Empfinden einfach von Grund auf verschieden! Während ich mit wirklich starken Schmerzen zu kämpfen hatte, hatte mein Freund beispielsweise nur ein kleines Pieksen im Bauch.

Dennoch: so anstrengend das Abführen auch sein mag, so befreiend und wunderbar leicht ist das Gefühl im Nachhinein. Zumindest war es das für mich.


Begleitet wird natürlich auch die Hauptphase mit täglichen Behandlungen wie Massagen, Bädern oder auch dem Stirnguss (Shirodara). Zum Stirnguss habe ich übrigens schonmal einen Erfahrungsbericht geschrieben, welchen ihr hier nachlesen könnt.

Dieses Mal wurde der Stirnguss jedoch nicht mit warmen Öl ausgeführt, sondern mit kaltem Curd (eine Art Quark), welcher mit Kräutern angereichert wurde. Ich persönlich fand das nicht ganz so angenehm wie die Variante mit Öl, der Grund dahinter war jedoch die „Bekämpfung“ meiner Schuppenflechte.


Mittlerweile haben wir übrigens Tag 11 der Panchakarma-Kur. Heute fahren wir von Sigiriya nach Weligama und wechseln das Hotel. Es geht von der ländlichen Idylle zum Touristenhotspot direkt am Meer. 

Zeitgleich verbreitet sich Covid-19 rasend schnell und die Lage weltweit spitzt sich zunehmend zu. Auch wenn wir in Sri Lanka selbst (noch) nicht ganz so viel merken, wird die Situation in Europa immer heikler. Flughäfen machen dicht. Einreiseverbote herrschen. Veranstaltungen werden abgesagt. Ihr wisst selbst wie schnell das aufeinmal ging.

Jeden Tag wurden hunderte Flüge gestrichen, und auch wir haben versucht unseren Flug umzubuchen, aus Angst gar nicht mehr nach Deutschland zurück zu kommen.

Die Entspannung der ersten Tage wurde schlagartig durch Anspannung und Ungewissheit abgelöst. Aus diesem Grund endet mein Bericht und somit auch unsere Panchakarma-Kur an dieser Stelle. Das mag für euch als Leser jetzt sehr abrupt klingen – aber das war es auch in der Realität!

Daher überspringen wir gezwungener Maßen die Regenerationsphase (Pashatakarma) und ich komme direkt zu einem finalen, kleinen, Resümee.


RESÜMEE

(zu 11 Tagen im Ayurvie Sigiriya)

Dieses wundervolle Fleckchen Erde hätte den Namen „Garten von Eden“ mehr als verdient, denn paradiesisch ist es hier alle Male! Ich habe mich im Ayurvie Sigirya unglaublich wohl und sehr gut betreut gefühlt. Die Ayurveda-Ärztin war kompetent, zugewandt und wirklich zu jederzeit für uns da!


Wer sich nach Rückzug sehnt und die Nähe zur Natur wertschätzt, wird hier eine gute Zeit haben! Dazu gehört allerdings auch das Froschorchester in der Nacht und ein paar tierische Besucher hier und da ;)

Besonders hervorheben möchte ich noch  das wirklich unglaublich gute Essen!!! Jeden einzelnen Tag wurde ganz traditionell und frisch auf offener Flamme gekocht. Ich habe selten gleichzeitig soooo gut und gesund gegessen! 

Aufgrund von langjährigen Magen-Darm-Problemen verbringe ich Zuhause viele Abende mit extremen Schmerzen und Krämpfen. In diesen 10 Tagen hatte ich nicht ein einziges Mal Probleme mit einem aufgeblähtem Bauch oder Krämpfe (abgesehen vom Abführtag) – dieses Gefühl war natürlich einmalig und hat extrem zu meinem Wohlbefinden vor Ort beigetragen!


Die Zeit im Sigiriya hat mich aufjedenfall sehr geerdet und entspannt. Ich habe mir endlich die Zeit genommen mehr zu Lesen und auch mein Handy hatte ich oft im Flugmodus.
Meine Haut fühlt sich wunderbar sanft und rein an und meine Füßchen sind vom ganzen Durchkneten ebenfalls butterweich ;)

Wie neugeboren fühle ich mich ehrlicher Weise jedoch nicht. Das wäre wohl auch ein wenig viel verlangt :-)


Für eine Ayurveda-Kur muss man natürlich nicht zwingend bis nach Indien oder Sri Lanka reisen. Auch in Deutschland oder Europa allgemein finden sich zahlreiche Möglichkeiten! Wenn ihr mehr zu den Kuren und Ayurveda-Reisen wissen wollt, schaut am besten direkt bei „Neue Wege Reisen“ vorbei.

Darüberhinaus kann ich euch noch die Podcast-Folge „#139 Wie funktioniert eine Pancha Karma Kur?“ von Dana Schwandt empfehlen! Dana ist Ayurveda-Expertin und kann euch aufgrund ihres Wissens natürlich nochmal viiiel tiefer in Ablauf und Wirkung einer Panchakarma-Kur mitnehmen. Hört da also super gerne mal rein.


Ob ich noch einmal eine Panchakarma-Kur machen würde?

Auf jeden Fall! Nächstes Mal dann aber wirklich komplett ohne Handy, Kamera & Laptop, denn am Ende habe ich doch wieder mehr gearbeitet, als ich eigentlich wollte. Ironischer Weise habe ich das auch schon in meinem letzten Ayurveda-Bericht von 2017 geschrieben ;-) Aber alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei.

Ich hoffe ihr konntet die ein oder andere wertvolle Information mitnehmen und wisst jetzt etwas mehr über eine Panchakarma-Kur, als vorher ;)

Vielen Dank fürs Lesen und bis bald auf der Yogamatte!
Eure Mady


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